Hangmoore unter Druck: Fachberatung vor Ort im Oberbergischen Kreis

Pressemitteilung

Biologische Station Oberberg und Bergwaldprojekt e. V. entwickeln gemeinsam Strategien für den Wasserrückhalt

Der Schutz der Hangmoore im Oberbergischen Kreis erfordert zunehmend spezialisierte Fachkenntnisse. Umso wertvoller war die externe Beratung der Biologischen Station Oberberg durch erfahrene Fachkräfte des Bergwaldprojekts, die am 25. Februar bei einer gemeinsamen Begehung der Moorflächen in Neuenhähnen (Waldbröl) und am Immerkopf (Wiehl) stattfand. Auch Mitarbeitende des Umweltamtes des Oberbergischen Kreises nutzten die Gelegenheit, sich fachlich über Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten in der Betreuung der Schutzgebiete auszutauschen.

Fachberatung im Hangmoor
Im Hangmoor Neuenhähnen tauschten sich die Fachleute des Bergwaldprojekts mit den Mitarbeitenden der Biologischen Station und des Umweltamtes zu möglichen Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserhaushaltes aus.

Hintergrund der Beratung sind klimatische Veränderungen, die auch im Oberbergischen bereits deutlich spürbar sind. Längere Trockenphasen setzen den empfindlichen Moorstandorten zu, während Starkregenereignisse das Wasser häufig ungenutzt abfließen lassen. Ziel der Beratung war es daher, die etablierten Pflege- und Renaturierungsmaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte auf die neuen Herausforderungen hin zu optimieren. 

Gerade bei Feuchtgebieten am Hang ist Fachwissen aus anderen Regionen von großer Bedeutung. „Man kann das Wasser hier nicht aufhalten, sondern nur verlangsamen“, erklärte Moor-Experte Lutz Rohland vom Bergwaldprojekt in Neuenhähnen. Durch eine gezielte Modellierung der Geländeformen und den Einsatz natürlicher Barrieren wie Baumstämmen lasse sich jedoch ein sogenanntes Überrieselungsregime schaffen, das das Wasser länger auf der Fläche hält und so das Moor stärkt.  

Untersuchungen im Hangmoor
An kritischen Bereichen konnte Expertin Urla Ewender vom Bergwaldprojekt mithilfe eines Nivelliergeräts Geländeunterschiede und damit mögliche Wasserabflüsse sichtbar machen.

Die Mitarbeitenden des Bergwaldprojekts wissen, wovon sie sprechen: Der gemeinnützige Verein setzt sich seit über 35 Jahren bundesweit an ca. 90 Projektstandorten mit jährlich 5000 Freiwilligen für den Schutz, die Erhaltung und die Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme ein und hat unter anderem Mittelgebirgshangmoore im Hunsrück und in der Eifel wiedervernässt. Dieser Erfahrungsschatz half dabei, die vorhandenen Strukturen in den oberbergischen Hangmooren mit einem frischen Blick zu bewerten. Die starken Regenfälle der vergangenen Tage boten zudem ideale Bedingungen, um oberflächliche Abflusswege sichtbar zu machen; beispielhaft konnten mögliche Eingriffe anschaulich diskutiert werden. So ließ sich gemeinsam konkret festlegen, an welchen Stellen Eingriffe sinnvoll sind und wo natürliche Prozesse gezielt unterstützt werden sollten.

Die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die tägliche Naturschutzarbeit der Biologischen Station ein. Sie sollen nicht nur Grundlage für zukünftige Maßnahmen sein, sondern auch bei regelmäßigen Pflegearbeiten wie dem Abplaggen – der Entfernung des nährstoffreichen Oberbodens – berücksichtigt werden. Die enge Zusammenarbeit von regionaler Fachpraxis und externer Expertise leistet damit einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Erhalt der Hangmoore und damit auch der Biodiversität im Oberbergischen Kreis. Der Geschäftsführer der Biologischen Station Matthias Wirtz-Amling zieht ein positives Fazit: „Das Bergwaldprojekt hat uns neue Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt, um unsere Moore weiter zu erhalten. Vieles des Wissens lässt sich jedoch auch auf andere Hangflächen übertragen und kann somit die Klimaresilienz der oberbergischen Landschaft stärken.“

Über Bergwaldprojekt e.V.

Das Bergwaldprojekt organisiert seit über 35 Jahren Freiwilligeneinsätze im Wald, Moor und in Offenlandschaften. 2026 bringt der Verein mit seinen Einsatzwochen in Deutschland mehr als 5.000 Freiwillige in die Natur. Dazu finden über 170 Projektwochen an ca. 90 verschiedenen Standorten in allen Regionen Deutschlands statt. Ziele der Arbeitseinsätze sind, die vielfältigen Funktionen der Ökosysteme wiederherzustellen und zu stabilisieren, den beteiligten Freiwilligen die Bedeutung und Bedrohung der natürlichen Lebensgrundlagen bewusst zu machen und daran mitzuarbeiten, unsere Lebens- und Wirtschaftsweise nachhaltiger zu gestalten. Der Verein finanziert seine Arbeit größtenteils aus Spenden. Das Bergwaldprojekt ist für den Einsatz der letzten Jahrzehnte mit mehr als 50.000 Freiwilligen vom Bundesamt für Naturschutz als UN-Dekade-Projekt zur Wiederherstellung der Ökosysteme ausgezeichnet.