Naturschutz trifft Kulturlandschaft – HEUland
Wiesen und Weiden prägen seit Jahrhunderten das Bergische Land. Sie sind Inbegriff der Bergischen Kulturlandschaft und wären ohne die menschliche Nutzung nicht entstanden. Grünland bildet die Grundlage für die im Bergischen Land weit verbreitete Milchviehwirtschaft und damit für die Ernährung des Menschen. So entstanden auch kulturhistorisch und biologisch wertvolle Bereiche. Gerade die extensiv bewirtschafteten Wiesen und Weiden sind aus Sicht der Artenvielfalt von großer Bedeutung. Vielen Menschen sind diese Zusammenhänge jedoch gar nicht mehr bewusst, zudem fehlt es inzwischen an direkten Berührungspunkten mit der Landwirtschaft.
Wanderausstellung "Wunderwelt Wiese"
Seit Juni 2017 kommen die Wiesen und Weiden nun direkt zu den Menschen. Die Wanderausstellung „Wunderwelt Wiese“ bietet Informationen für Groß und Klein: Von der Entwicklung vom Wald zur Wiese, über verschiedene Pflanzen- und Tierarten in der bergischen Wiese, bis hin zur landwirtschaftlichen Nutzung und kulinarischen Tipps. Ergänzt werden die Tafeln mit Tier- und Pflanzenmodellen zum Anfassen und die Wiesensimulator-App animiert dazu, selbst zum Bewirtschafter einer Wiese zu werden.
Tipp: Diese Ausstellung kann unter bestimmten Bedingungen kostenlos bei der Biologischen Station Oberberg gebucht werden. Sie eignet sich für eine mindestens 40 m² große Fläche im Innenraum, z.B. im Foyer eines Rathauses oder von Banken und Sparkassen. Weitere Informationen erhalten Sie bei der Biologischen Station unter: oberberg@bs-bl.de
Rezeptvorschlag: Wildkräuterfrischkäse mit Schafgarbe
1 Liter Milch, 1 Zitrone, Salz, Pfeffer
Wildkräuter (Schafgarbe, Vogelmiere, Taubnessel, Braunelle, Giersch usw.)
Käselaibe selber herzustellen, ist eine aufwendige Sache. Wenn Sie statt des Labs (oder einem Säurewecker für die Sauermilchgärung) jedoch eine Zitrone nehmen, können Sie sich im Handumdrehen Ihren eigenen Frischkäse herstellen und mit Kräutern verfeinern. Aus einem Liter Milch erhalten Sie knapp 200 ml Käse. Die Milch wird zum Kochen gebracht und dann mit so viel Zitronensaft versehen, bis sie gerinnt. Nun filtern Sie die Molke mit einem Tuch oder Sieb ab – sie wird verworfen oder kann zum Backen verwendet werden. Der frische „Käse“ wird nun mit den gehackten Kräutern sowie etwas Salz und nach Belieben Pfeffer, Öl, Sahne etc. abgerundet. Im Sommer können Sie die Milch auch einfach mit einem Tuch abgedeckt an einem warmen Ort stehen lassen, bis sie dick geworden ist. Dann wird sie vorsichtig erwärmt, bis sie gelblich wird und sich zu teilen beginnt. Nun wird sie wie im Rezept beschrieben abgefiltert und verfeinert.
Quelle: Lüder, Rita und Frank (2013): Wildpflanzen zum Genießen… für Gesundheit, Küche, Kosmetik und Kreativität, S. 71.
Rezeptvorschlag: Spitzwegerich Kapern
Olivenöl, Essig, Salz, Knospen von Spitz-Wegerich, Knoblauch oder Gewürze Ihrer Wahl
Die Knospen essbarer Blüten können wunderbar als „Kapern“ eingelegt werden. Allerdings werden sie nicht wie echte Kapern in gegarten Gerichten gegessen. Man genießt sie am besten mit frischem Baguette oder zu Salat, ähnlich wie in Öl eingelegte Weinblätter, Peperoni oder Paprikastreifen. Besonders lecker sind die Wegerichknospen mit ihrem wunderbar nussigem Aroma und ihrer angenehm festen Konsistenz. Ebenfalls sehr gut geeignet sind die Knospen von Kapuzinerkresse, Gänseblümchen, Bärlauch, Löwenzahn, Linde und Holunder sowie die vieler weiterer Wildkräuter. Sie können auch bunt gemischte „Mixed Pickles“ aus den verschiedenen Arten herstellen.
Die Zubereitung ist denkbar einfach. Die gewaschenen Knospen werden mit heißem, stark gesalzenem Weinessig übergossen und einige Stunden darin stehen gelassen. Sie können auch über Nacht oder bis zu wenigen Tagen im Essig stehen bleiben. Danach werden sie abgeseiht und gut abgetropft in Gläser gefüllt und mit Olivenöl (oder ein anderes Öl nach eigener Wahl) aufgefüllt. Sie können die Knospen auch mit Kräutern, Senf, Knoblauch oder Pfefferkörnern versehen, deren Geschmack dann langsam von den Kapern angenommen wird. Die Kapern schmecken besonders gut, wenn sie nach einigen Tagen durchgezogen sind, und sie halten sich gekühlt mehrere Monate. Allerdings sollten Sie immer darauf achten, dass die oberste Schicht mit Öl abschließt, damit kein Schimmel angesetzt wird.
Quelle: Lüder, Rita und Frank (2013): Wildpflanzen zum Genießen… für Gesundheit, Küche, Kosmetik und Kreativität, S. 61.
Verweis auf Kräuterbuch
Mehr leckere Rezepte und Wissenswertes über essbare Wildpflanzen finden Sie im Buch „Wildpflanzen zum Genießen… für Gesundheit, Küche, Kosmetik und Kreativität.“ von Rita und Frank Lüder. Das 280 Seiten starke Buch ist im Kreativpinsel Verlag erschienen und enthält Beschreibungen von knapp 200 wild wachsenden Pflanzen. Die ISBN lautet: 978-3-9814612-0-6
Das Buch kann sowohl über den Handel, als auch über die Homepage der Autoren (http://www.kreativpinsel.de) erworben werden.
Wiesenmeisterschaften
In beiden Kreisen riefen die Biologischen Stationen jeweils eine Wiesenmeisterschaft aus. Gesucht wurden besonders artenreiche Heuwiesen, Magerweiden und Silagewiesen. Bewertet wurden in diesen Kategorien der Artenreichtum und die Seltenheit der Pflanzen sowie die Bewirtschaftung und der Strukturreichtum der Fläche. Die ersten drei Platzierungen freuten sich über einen Reisegutschein, eine Heißluftballonfahrt und einen Einkaufs-Gutschein.
Fachveranstaltungen
Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz im Bergischen Land waren auch die gut besuchten Fachveranstaltungen ein großer Erfolg, die zum Austausch und damit auch zum besseren gegenseitigen Verständnis dienen sollten. Im Jahr 2016 fanden zwei Schulungen „Naturschutz für Landwirte“ und „Landwirtschaft für Naturschützer“ mit verschiedenen Fachvorträgen, Exkursionen, einem Hofrundgang und viel Gelegenheit zur Diskussion statt. Zum Abschluss dieser Reihe trafen sich über 60 Interessierte zum „Fachdialog Grünland“ im Landschaftshaus in Nümbrecht bei der Biologischen Station Oberberg. Die vier Vorträge von Ulrike Thiele (LANUV), Hubert Kivelitz (LWK NRW), Prof. em. Dr. Wolfgang Schumacher und Markus Schmitz (Landwirt) beleuchteten das Thema Grünland aus landwirtschaftlicher und naturschutzfachlicher Sicht, im Anschluss fand ein intensiver Austausch statt.
Projektkoordination
Manuela Thomas
In Kooperation mit: