Streifen im Grünland stehen lassen

Das Bergische Land hat einen extrem hohen Anteil an Grünlandflächen, die regional oft innerhalb einer kurzen Zeitspanne bei gutem Wetter gemäht werden. Dann bleiben oft nur Böschungen, Hänge oder vernässte Bereiche für Insekten stehen. Mit dem Projekt „Ungemähte Streifen im Grünland“ möchten die Partner und Unterstützer der Modellregion nach der Mahdzeit einen Rückzugsort für Insekten und andere Tiere schaffen und einen Beitrag zur Strukturvielfalt leisten.

 

Ungemähter Streifen bei der Heuernte 2019 in Waldbröl-Geilenkausen (Foto: © Olaf Schriever, BSO)

 

Beim nächsten Schnitt wird dieser Streifen wieder mitgemäht, dafür bleibt an anderer Stelle ein neuer Streifen stehen. Hierdurch wird einer zu starken Fehlentwicklung, beispielsweise durch eine Ausbreitung von Breitblättrigem Ampfer, auf der Fläche entgegengewirkt. Diese Streifen sind sowohl im ersten Grassilageschnitt hilfreich, als auch in später gemähten Heuwiesen.

 

Warum ist ein ungemähter Streifen wichtig für Insekten?

  • Viele Insektenarten der Wiese haben eine mehrwöchige Larvenentwicklungszeit, in der sie nicht fliegen können und insgesamt durch Häutungen bzw. Puppenphase unbeweglich sind. Daher können sie den Mähfahrzeugen nicht entfliehen und überleben die Erntegänge meist nicht.
  • In dem ungemähten Streifen können sie überleben und ihn weiter für die Jugendentwicklung nutzen.
  • Daneben sind aber auch in den Vielschnittwiesen immer wieder einzelne blühende Pflanzen vorhanden, die den Pollen und Nektarsammelnden Arten als Futter dienen. In den artenreichen Wiesen ist dies natürlicherweise noch viel stärker der Fall, so dass hier auch zur Hauptmahdzeit des Heus noch Blühpflanzen vorhanden sind.

Nicht nur ungemähte Streifen im Grünland sondern auch artenreiches Grünland an sich dient vielen Insekten als Nektarquelle, durch ihren Reichtum an Kräutern. Aber auch die verschiedenen Grasarten sind wichtiges Raupenfutter. Hierbei spielen Weiden oder Mähwiesen, die im Rahmen des Vertragsnaturschutzprogramms frühestens ab dem 15.6. gemäht werden, eine wichtige Rolle. Auch Weiden, die nur mit einer geringen Besatzdichte beweidet werden können in verschiedenen Ecken auf der Fläche Tieren und Pflanzen einen Rückzugsraum bieten.

 

Warum ist eine Weidefläche wichtig für Insekten?

  • Weideflächen bieten durch das unterschiedliche Wuchsbild vielen Insekten einen Lebensraum:
  • An Geilstellen (Stellen an denen die Weidetiere Dung abgesetzt haben und die danach vom Vieh gemieden werden) bleiben höherwüchsige Strukturen erhalten. Auch ein Kuhfladen selbst bietet Lebensraum - nicht nur für Fliegen!
  • Die Vegetation im Zaunbereich wird gefressen ohne dass Dünger dorthin gelangt. Hierdurch entstehen sehr nährstoffarme Bereiche, die von speziellen Arten besiedelt werden. Hier findet man seltenere Pflanzen wie Rundblättrige Glockenblume, Heilziest oder Zittergras.
  • Auch hier sollte nicht die gesamte Fläche gemulcht (d.h. zerkleinern und liegen lassen) werden, sondern auch Streifen stehen gelassen werden. Am besten würden nur die Problembereiche mit unerwünschten Pflanzen nachgemäht und der Rest unberührt bleiben.
  • Allgemein ist das Nachmähen insektenfreundlicher als das Mulchen, bei dem alles (auch die Insekten) zerschlagen wird. Daneben spart das Mähen auch Kraftstoff.
  • Ideal wäre hier der alte Balkenmäher oder Doppelmesserbalkenmäher, bei denen die wenigsten Insekten umkommen, da es nicht zu starken Verwirbelungen wie bei den rotierenden Scheiben- oder Trommelmähern kommt.

 

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Modellregion Landwirtschaft und Naturschutz wurden Plakate entworfen, die die Möglichkeiten des Vertragsnaturschutzes beschreiben und zeigen, dass Landwirte sich im Bergischen Land für Natur- und Umweltschutz einsetzen.

Falls Sie bei einem Ihrer Schnitte auch einen Streifen stehen lassen wollen oder auch beim Vertragsnaturschutzprogramm mitmachen und mit einem Plakat auf ihrer extensiven Wiese oder Weide an unserer Aktion teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte bei der Biologischen Station Oberberg (02293- 9015 0) oder bei der Biologischen Station in Rhein Berg (02205- 94 98 94 0).

Plakat "Ungemähte Streifen im Grünland"

Plakat "Vertragsnaturschutzflächen"

Die Modellregion Landwirtschaft und Naturschutz – Bergisches Land ist ein Kooperationsprojekt der Biologischen Station Oberberg und Rhein-Berg

mit

Bergischer Naturschutzverein (RBN)

BUND Oberberg und Rhein-Berg

NABU Oberberg und Rhein-Berg

Verband landwirtschaftlicher Fachabsolventen Oberberg (vlf)

Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LWK)

Rheinischer Landschaftsverband (RLV)

 

Das Projekt wird unterstützt durch:

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz

Oberbergischer Kreis

Rheinisch-Bergischer Kreis